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Positive Emotionen sind keine rosarote Brille

Positive Emotionen stärken Immunabwehr und Kommunikation. Warum bewusst gute Signale zu senden mehr ist als Optimismus.

Dominik Schwiering
Dominik Schwiering
·23. Juli 2026 ·2 min read
Positive Emotionen sind keine rosarote Brille

Positive Emotionen gelten schnell als nettes Extra. Gute Laune, wenn es gerade passt. Dabei sind sie mehr als Stimmung. Sie stärken unsere Immunabwehr und sie verändern, wie wir miteinander reden. Beides ist keine Kleinigkeit, weder für den einzelnen Menschen noch für ein Team.

Wer positive Emotionen bewusst anstrebt, betreibt keine Schönfärberei. Er trifft eine Entscheidung darüber, worauf er seine Aufmerksamkeit richtet. Und diese Entscheidung hat Folgen, nach innen und nach außen.

Die Frage, die alles verschiebt

Der Unterschied beginnt bei einer einzigen Frage. Die meisten von uns fragen sich, oft unbewusst: Was stört mich an dieser Person, an dieser Situation, an diesem Projekt? Die Frage ist verständlich. Sie sucht Fehler, sie will Risiken vermeiden. Nur bleibt selten etwas Gutes übrig, wenn wir sie zu oft stellen.

Wer bewusst positive Emotionen anstrebt, dreht die Frage um. Nicht: Was stört mich? Sondern: Was gefällt mir hier eigentlich? Was funktioniert? Was schätze ich an diesem Menschen? Das klingt banal. In der Praxis verändert es ganze Gespräche. Man merkt es in jedem Meeting. Ein Team, das zuerst auf Lücken schaut, redet über Probleme. Ein Team, das zuerst benennt, was schon trägt, redet über Möglichkeiten. Beide sehen dieselbe Realität. Sie stellen nur eine andere Frage an sie.

Aus Aufmerksamkeit werden Gewohnheiten

Was wir wiederholt tun, wird zur Gewohnheit. Das gilt auch für die Richtung unserer Aufmerksamkeit. Wer sich öfter fragt, was ihm gefällt, gewöhnt sich daran, das Gute zuerst zu sehen. Diese Gewohnheit bleibt nicht im eigenen Kopf. Sie wird sichtbar, im Tonfall, in der Art, wie wir Rückmeldung geben, in der Frage, mit der wir ein Gespräch eröffnen.

Solche Gewohnheiten wirken nach außen. Sie ziehen Menschen an, die selbst nach den guten Seiten in ihrem Leben suchen. So entsteht nach und nach ein Umfeld, das sich anders anfühlt. Nicht weil die Probleme verschwunden wären, sondern weil der Blick auf sie ein anderer ist.

„Wer nach dem Guten sucht, verändert nicht die Realität. Er verändert, was er in ihr sieht und weitergibt."

Keine rosarote Brille

Hier ist die Grenze wichtig. Positive Emotionen bewusst zu suchen heißt nicht, zum Ja-Sager mit rosaroter Brille zu werden. Es gibt genug Missverständnisse, genug Angst und genug Schmerz, um die wir uns kümmern müssen. Wer das Schwere wegblendet, hilft niemandem, am wenigsten sich selbst.

Der Punkt ist ein anderer. Positive Emotionen sind kein Selbstzweck und kein Dauerlächeln. Sie sind eine Ressource. Wer innerlich im Mangel steckt, sieht vor allem Bedrohungen. Wer aus einer stabilen, positiven Grundhaltung heraus handelt, kann Probleme benennen, ohne von ihnen überwältigt zu werden.

„Positive Emotionen sind kein Selbstzweck. Sie sind die Ressource, aus der wir echte Schieflagen angehen."

Warum das für Führung zählt

Gerade in Organisationen ist dieser Unterschied spürbar. Führung, die zuerst nach Fehlern sucht, erzeugt Vorsicht. Menschen melden weniger, trauen sich weniger, sichern sich ab. Führung, die auch benennt, was gelingt, erzeugt etwas anderes: den Mut, offen über das zu sprechen, was nicht läuft. Das Gute zu sehen ist oft die Voraussetzung dafür, das Schwierige ehrlich anzupacken.

Das ist keine Frage von Naivität, sondern von Haltung. Und Haltung lässt sich üben, jeden Tag, in jeder Frage, die wir an eine Situation stellen. Bleibt die eigentliche Frage. Nicht, ob wir gut drauf sind. Sondern: Welche Schieflage könnten wir mit unseren positiven Emotionen als Nächstes verbessern?

Über den Autor

Torsten Adamski ist Team-Entwickler bei der Holism GmbH und begleitet Teams und Führungskräfte in Veränderungsprozessen.

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